die presse
2008, Aug, Dänemark, Hadersleven
- 02.08.08 - Dänemark, Hadersleven, Nordschlewiger, , "Auf dem Weg zu sich selbst" Ruth Candussi
Auf dem Weg zu sich selbst
Eine Krankheit hindert Gabriele Drees-Holz am Pilgern – zumindest am körperlichen Teil einer Pilgerwanderung. Stattdessen findet die Künstlerin durch ihre Kunst zu sich selbst.
Von Ruth Candussi
Behrendorf/ Bjerndrup – (can) „Wann ist man schon bei sich angekommen?“, sieht es die Kunstmalerin Gabriele Drees-Holz, die sich in ihrer Kunst und mit ihrer Kunst auf steter Wanderung durchs Leben befindet – mit dem Weg als Ziel. Daraus sind unzählige sogenannter „Pilger-Bilder“ entstanden, mit denen sich die Kölnerin über die Landesgrenzen Deutschland hinaus nun einen Namen gemacht hat. In den vergangenen Tagen ist sie mit ihren Gemälden von Pilgerherberge zu Pilgerherberge gewandert und machte gestern auch in der Herberge „Lindely“ von Jonna Rieck am Hellevad-Bovvej 40 in Behrendorf bei Klipleff halt.
„Aufgrund einer Lebenskrise vor 15 Jahren bin ich zum Malen gekommen. Eine Freundin hatte mir damals empfohlen, an einem Malkurs teilzunehmen“, erzählt die 52-jährige, von Beruf Lehrerin, die seitdem an der Staffelei hängen geblieben ist. Vor sieben Jahren stellte sie ihre ersten Arbeiten aus. „Das Pilger-Thema habe ich vor drei Jahren für mich entdeckt, als ich an einer Lehrerfortbildung in Santiago teilnahm. Während meine Kollegen nachmittags auf dem Jakobsweg gewandert sind, habe ich im Hotelzimmer gemalt“, blickt Gabriele Drees-Holz auf die drei Wochen Spanien zurück, in denen in ihr die Pilgerleidenschaft aufkam, die seitdem ihr künstlerisches Schaffen prägt. Aufgrund einer Krankheit aber ist der Künstlerin selbst das Wandern verwehrt, weshalb sie stattdessen durch ihre Kunst wandert und in zahlreichen Motiven das Wandern, das Pilgern, die Suche zu sich selbst thematisiert.
„Ich habe schon viele verschiedene Themen in Sequenzen gemalt: Märchen-, Kontrapunkt-, Farbmoment-, Seelenbild-, Fensterbild-Squenzen mit Blick auf die Welt oder aufs Innenleben. Am Ende aber kommt in meinen Bildern immer wieder das Thema Pilgern zum Ausdruck. „Das Thema fasziniert mich einfach“, erklärt Gabriele Drees-Holz und fährt fort: „Der Jakobsweg scheint ein ganz besonderer Pilgerweg zu sein, mit einer Jahrtausend alten Tradition. Ich habe gesehen, wie er Menschen aller Nationalitäten, Altersgruppen und Professionen vereint und ihnen hilft, einen Weg zu finden. Aus unterschiedlichsten Motivationen begeben sie sich auf den Pilgerpfad. Doch alle gehen sie den selben Weg und enden schließlich in Santiago de Compostela, am Grab des Apostels Jakubus.“
Dass Gabriele Drees-Holz gerade das Pilgerthema so sehr beschäftigt, ist wohl auch mit ihrem eigenen Lebensweg zu erklären. 1955 wurde sie in Kolumbien geboren und wuchs in Venezuela, Spanien und Deutschland auf. In der Deutschen Schule in Madrid knüpfte sie auch Freundschaft mit Susanne Mylin-Hastrup, durch die sie nun für eine Woche nach Loid gekommen ist. „Ich bin mit meinen Eltern viel umgezogen. Die Suche nach Wurzeln, nach Heimat liegt also an mir und kennzeichnet auch meine Kunst. Dabei definiere ich Heimat nicht als einen bestimmten Ort. Vielmehr ist Heimat, wenn man zu sich selbst findet,“ meint die Künstlerin. Ihre Kunst habe sie ein Stück weiter zu sich selbst finden lassen, in ihr habe sie Ruhe und Frieden gefunden. „Angekommen aber bin ich noch nicht. Aber wann ist man das schon?“
Zur Technik: Gabriele Drees-Holz malt ihre Bilder vornehmlich mit Acrylfarben, verwendet aber auch Wachsfarben, Tinte oder Aquarellfarben. Oft arbeitet sie in ihre Gemälde auch Sand oder Textilien ein.
Weitere Informationen zur Künstlerin und ihren Arbeiten unter: www. Dreho.de
Text unter den Foto 1: „Ich male nicht die Natur wie ich sie sehe, sondern wie ich sie empfinde“. Gabriele Drees-Holz präsentierte gestern eine Auswahl ihrer Pilger-Bilder im Hof der Pilgerherberge „Lindely“ in Behrendorf bei Kliplev
Text unter Foto 2: Gabriele Drees-Holz malt auch auf Bestellung. Am leichtesten fällt ihr die Trennung ihrer „Babys“, wenn sie weiß, wo sie hinkommen. Die Einladung auf eine Tasse Kaffee im neuen Zuhause ihrer Gemälde nimmt die Künstlerin deshalb immer dankend an. Kommt die Einladung nicht von selbst, hilft sie ein wenig nach…